Bd. XI · Heft 06 · Juni 2026 Pixelschere / Digital-Craft-Journal
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Recht · 13 min

Stock-Lizenz-Stand 2026: Pixabay, Pexels und Unsplash im juristischen Vergleich für Scrapbook-Tutorials

Drei Plattformen, drei Lizenz-Modelle, drei Risiko-Profile. Was die Pixabay-Lizenz 2026 wirklich erlaubt, warum Unsplash seit 2024 verschärft hat und wo Pexels für DACH-Veröffentlichungen zuverlässig sitzt.

Die klassische Free-Stock-Bild-Welt sieht 2026 sehr anders aus als noch 2018. Damals hieß die Antwort auf jede Tutorial-Bebilderungs-Frage „CC0 von Pixabay”. Heute haben alle drei großen Plattformen – Pixabay, Pexels und Unsplash – eigene Lizenz-Modelle entwickelt, die im Detail teils stark voneinander abweichen. Für Scrapbook-Tutorial-Veröffentlichung in der DACH-Region ist das relevant, weil das deutsche Urheberrechtsgesetz (UrhG) und das Kunsturheberrechtsgesetz (KunstUrhG) eigene Schwellen setzen, die die US-zentrischen Lizenz-Texte nicht immer abbilden.

Pixabay: vom CC0-Pionier zur eigenen Lizenz

Pixabay wurde 2010 in Ulm gegründet und war über fast ein Jahrzehnt der Synonym-Begriff für „CC0-Stock”. Bis Januar 2019 standen alle Inhalte unter der Creative-Commons-Zero-Lizenz – also vollständig gemeinfrei, kein Namensnennung, keine Verwendungs-Beschränkung.

Im Januar 2019 wechselte Pixabay auf eine eigene Pixabay-Lizenz. Die kennzeichnenden Klauseln im Stand Juni 2026:

  • Verwendung kostenlos, kommerziell und nicht-kommerziell, ohne Quellen-Angabe (Höflichkeits-Empfehlung, keine Pflicht).
  • Modell-Bezugs-Klausel: Bilder mit erkennbaren Personen dürfen nicht in Kontexten verwendet werden, die das Modell „in einem schlechten Licht” zeigen oder „beleidigend” wirken könnten. Diese Klausel überlappt mit dem deutschen Recht am eigenen Bild (§ 22 KunstUrhG) und ist im DACH-Raum besonders streng auszulegen.
  • Marken- und Recognized-Person-Klausel: Wer ein Pixabay-Bild verwendet, in dem Logos, Marken-Produkte oder prominente Personen zu sehen sind, übernimmt das volle markenrechtliche Risiko selbst. Pixabay haftet nicht.
  • Weiterverkauf des Bildes als Bild ist untersagt (klassische Stock-Schutz-Klausel). Verwendung im redaktionellen Tutorial bleibt erlaubt.

Für Scrapbook-Tutorial-Praxis bedeutet das: Strand-Foto, Blumen-Foto, Textur-Foto ohne Personen und ohne Marken-Sichtbarkeit sind weiterhin sicheres Standard-Material. Personen-Bilder bleiben verwendbar, aber nur mit besonderer Kontext-Sorgfalt – ein Tutorial, das ein erkennbares Pixabay-Modell als Beispiel für „misslungene Vorher-Bilder” inszeniert, ist juristisch heikel.

Pexels: das Mid-Field-Modell seit 2021

Pexels wurde 2014 als deutsch-amerikanische Plattform gegründet (Gründer Bruno Joseph in Berlin) und 2018 von Canva übernommen. Die ursprüngliche Pexels-Lizenz war eng an CC0 angelehnt. Seit 2021 gilt eine erweiterte Pexels-Lizenz mit zwei Stufen:

  • Free Pexels License: kostenlos, kommerziell und privat verwendbar, keine Quellen-Angabe verpflichtend (Höflichkeits-Empfehlung). Modifikation erlaubt.
  • Pexels+ (Premium, seit 2024): Subscription-Modell mit zusätzlichem Bild-Pool und erweiterten Garantien (Modell-Release-Dokumente, Marken-Klärung).

Verbots-Klauseln der Free-Lizenz im Stand 2026:

  • Kein Weiterverkauf als Bild oder Bild-Pack.
  • Keine Verwendung in Kontexten, die „Personen, Orte oder Marken in beleidigender Weise” darstellen.
  • Keine Verwendung für Anwendungen, deren Hauptzweck es ist, Foto-Drucke oder Foto-Produkte zu verkaufen (klassische Print-on-Demand-Klausel).

Pexels sitzt im juristischen Mid-Field: weniger restriktiv als Unsplash 2024+, aber mit klareren Verbots-Klauseln als die alte Pixabay-CC0-Welt. Für Scrapbook-Tutorial-Anwendungen mit Foto-Bestandteilen, die nicht weiterverkauft werden, ist Pexels Free 2026 eine solide Wahl.

Unsplash: vom Free-Pionier zur Verschärfung 2024

Unsplash wurde 2013 in Montreal gegründet und führte 2017 die Unsplash License als bewusst minimalistische Alternative ein („do whatever you want”). 2021 übernahm Getty Images Unsplash, was die juristische Linie spürbar professionalisierte.

Stand Juni 2026 gilt:

  • Unsplash License (Free): kostenlos, kommerziell und nicht-kommerziell verwendbar, keine Quellen-Angabe-Pflicht.
  • Unsplash+ (Premium, seit 2020): Subscription, zusätzliche Garantien und exklusive Bilder.

Die wichtige Änderung kam Anfang 2024: Unsplash hat die Marken- und Recognized-Person-Klausel der Free-Lizenz deutlich ausgeweitet. Seit dem Stichtag dürfen Free-Bilder nicht mehr verwendet werden, wenn:

  • erkennbare Personen ohne Modell-Release abgebildet sind und der Kontext der Verwendung „kommerzielle Implikation” trägt – auch dann nicht, wenn die kommerzielle Implikation indirekt ist (z. B. ein Tutorial auf einer Domain mit Affiliate-Werbung gilt als kommerzielle Implikation).
  • Marken-Logos sichtbar sind und das Bild in einer Werbe- oder Empfehlungs-Position erscheint.

Praktisch heißt das: ein klassisches Scrapbook-Tutorial, das Unsplash-Personen-Bilder als Beispiel-Foto in den Frame setzt, läuft 2026 in eine deutlich höhere Risiko-Lage als 2018. Für reine Textur-, Hintergrund- und Natur-Foto-Anwendungen bleibt Unsplash dennoch attraktiv – die Bildqualität ist nach wie vor die höchste der drei Plattformen.

Lizenz-Komparativ-Tabelle 2026

DimensionPixabayPexels FreeUnsplash Free
Quellen-Angabe-PflichtNeinNeinNein
Kommerzielle VerwendungJa, mit Klausel-VorbehaltJaJa, mit verschärfter Recognized-Person-Klausel seit 2024
Modell-Release-GarantieNeinNein (Pexels+ Ja)Nein (Unsplash+ Ja)
Marken-Risiko-ÜbernahmeVerwenderVerwenderVerwender
Beleidigungs-/Schädigungs-KlauselJaJaJa
Weiterverkauf als BildVerbotenVerbotenVerboten
Eignung DACH-Heim-ScrapbookHochHochHoch (ohne Personen/Marken)
Eignung DACH-kommerzielles TutorialMittelMittelNiedrig (bei Personen/Marken-Bildern)

Recht-Konsequenzen für Tutorial-Veröffentlichung

Für die klassische Scrapbook-Tutorial-Praxis in DACH lassen sich drei Risiko-Klassen formulieren:

Klasse A – Niedriges Risiko: Natur-Fotos, Textur-Fotos, Architektur-ohne-Marken, Lebensmittel-Stillleben ohne erkennbare Marken-Verpackung. Alle drei Plattformen sind hier unkritisch. Quellen-Angabe ist juristisch nicht gefordert, gehört aber zur Tutorial-Höflichkeit.

Klasse B – Mittleres Risiko: Personen-Fotos ohne erkennbare Identität (z. B. Hände, Silhouetten, Rücken-Ansichten). Pixabay und Pexels sind hier zuverlässig, Unsplash ebenfalls – sofern der Tutorial-Kontext keine kommerzielle Empfehlungs-Position simuliert.

Klasse C – Hohes Risiko: Erkennbare Personen, sichtbare Marken-Logos, prominente Personen. Hier raten wir 2026 grundsätzlich zur Premium-Lizenz (Pexels+ oder Unsplash+) oder zum Wechsel auf eine klassische Modell-Release-Stock-Plattform (z. B. Adobe Stock, Shutterstock). Die Free-Lizenzen tragen das Risiko nicht – und die DACH-Rechtsprechung zum Recht am eigenen Bild ist seit den OLG-Urteilen 2023/2024 spürbar strenger geworden.

Empfehlung pro Plattform

  • Pixabay als sicherer DACH-Standard für Heim-Scrapbook, klassische Textur- und Hintergrund-Bilder, kein Personen-Material in heiklen Kontexten.
  • Pexels Free als zuverlässige Mid-Field-Wahl für Tutorial-Foto-Material; bei kommerzieller Tutorial-Linie auf Pexels+ aufstocken.
  • Unsplash Free als Qualitäts-Erste-Wahl für Natur, Textur, Architektur – Personen-Material seit 2024 mit größter Sorgfalt einsetzen.

Wer einen einzigen Satz mitnehmen will: Quellen-Angabe ist Pflicht der Tutorial-Höflichkeit, nicht der Lizenz – das Marken- und Personen-Risiko trägt seit 2026 immer der Verwender.


Ressort: Recht